photo of Maedeh Salimian

Maedeh Salimian / Photo: Byford.JOHN  > 2026. Skegness ​​​​​​​​​​​​​​

🇩🇪 Maedeh Salimian  (geb.1990) ​​​​​​​
Mein Name ist Maedeh Salimian. Ich wurde 1990 in Teheran, Iran, geboren.
Ich wuchs in einem damals vergleichsweise friedlichen Iran auf, umgeben von einer liebevollen und eng verbundenen Familie. Meine Kindheit war geprägt von Familientreffen, vertrauten Straßen und dem Gefühl, dazuzugehören. Doch schon als junge Frau hatte ich Schwierigkeiten mit Erwartungen, die sich für mich nie richtig anfühlten. Eine davon war das Tragen des Hijabs. Es war keine Entscheidung, die meiner Persönlichkeit oder meinen Überzeugungen entsprach. Weil ich mich dagegen entschied, wurde ich zweimal festgenommen, weil ich gegen die Vorschriften für Frauen protestierte. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie schwer es sein kann, offen und ehrlich zu leben, wenn persönliche Freiheiten eingeschränkt werden.
Meine Eltern leben noch immer im Iran. Sie sind in einen Teil des Landes gezogen, den sie für sicherer halten, doch der Kontakt zu ihnen ist zunehmend schwieriger geworden. Internetsperren und Ausfälle machen die Kommunikation oft nahezu unmöglich. Selbst Telefonate sind teuer und unzuverlässig. Manchmal vergehen Tage, ohne dass wir miteinander sprechen können. Diese Distanz fühlt sich größer an als die reine Entfernung zwischen uns – sie wird verstärkt durch Angst, Unsicherheit und politische Spannungen.
Eine Rückkehr in den Iran kommt für mich derzeit nicht infrage. Nicht nur wegen der Konflikte und der Instabilität, sondern auch, weil ich zum Christentum konvertiert bin. Mein Glaube ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Gleichzeitig ist er einer der Gründe, weshalb eine Rückkehr für mich mit großen Risiken verbunden wäre.
Im Jahr 2019 heiratete ich meinen Mann Ata, der ebenfalls aus Teheran stammt. Er verließ den Iran einige Jahre zuvor und wurde schließlich in Skegness angesiedelt. Wie ich ist auch er Christ. Für uns beide ist eine Rückkehr in den Iran derzeit keine Option.
Nach unserer Hochzeit blieb ich zunächst im Iran, während Ata bereits in England lebte. Drei lange Jahre konnten wir uns nicht persönlich sehen. Wir waren verheiratet und doch durch Grenzen, Politik und Umstände getrennt, die außerhalb unserer Kontrolle lagen. Telefonate, Nachrichten und die Hoffnung auf ein Wiedersehen hielten unsere Beziehung am Leben. Es war eine schmerzhafte und belastende Zeit, die uns beide viel Kraft gekostet hat.
Die Wiedervereinigung mit Ata und mein Umzug nach Skegness gehören zu den emotionalsten Momenten meines Lebens. Meine Familie zurückzulassen, brach mir das Herz, doch gleichzeitig begann für mich ein neues Kapitel. Die Menschen in Skegness haben mich mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Mit der Zeit habe ich Freundschaften geschlossen und ein Netzwerk von Menschen gefunden, das sich wie eine zweite Familie anfühlt. Ihre Freundlichkeit hat mir geholfen, in einem neuen Land anzukommen und mein Leben neu aufzubauen.
Trotzdem vermisse ich meine Eltern und Geschwister jeden einzelnen Tag.
Und nun habe ich wunderbare Neuigkeiten. Ich bekomme ein Baby.
Unser Kind wird im Oktober hier in Skegness geboren, und ich könnte mich nicht mehr darauf freuen. Mutter zu werden, ist etwas, wovon ich seit vielen Jahren träume. Gleichzeitig wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass meine Mutter bei der Geburt an meiner Seite sein kann. Sie wird alles daransetzen, ein Visum zu erhalten und nach England zu kommen. Doch angesichts der Situation im Iran ist nichts sicher. Alles, was ich tun kann, ist hoffen und beten, dass sie diesen besonderen Moment mit uns teilen kann.
Vor Kurzem hat meine Familie einen schweren Verlust erlitten. Eine junge Verwandte, gerade einmal zwanzig Jahre alt, starb, nachdem sie an Protesten gegen die Regierung teilgenommen hatte. Der Schmerz über diesen Verlust lässt sich kaum in Worte fassen. Er erinnert mich daran, welchen Preis viele junge Menschen noch immer dafür zahlen, ihre Stimme zu erheben und Veränderungen einzufordern.
Die Lage im Iran bleibt erschütternd. Konflikte, politische Spannungen und wirtschaftliche Not treffen die Menschen jeden Tag. Die Lebensmittelpreise steigen ständig, viele Familien kämpfen ums Überleben, und unzählige Menschen leben in Angst und Unsicherheit darüber, was der nächste Tag bringen wird.
Jeden Tag sorge ich mich um meine Angehörigen. Jeden Tag bete ich für ihre Sicherheit.
Heute habe ich einen Mann, den ich liebe, ein Baby unterwegs und ein Zuhause hier in Skegness. Das Leben am Meer schenkt mir Ruhe und Hoffnung. Wenn ich auf das Wasser blicke, erinnere ich mich daran, dass es selbst nach Leid, Verlust und Trennung immer noch eine Zukunft gibt, an die man glauben kann.
Ich bete für mein Land. Ich bete für Frieden. Ich bete für meine Familie.
Vor allem aber bete ich für Hoffnung.
Wir müssen die Hoffnung bewahren.
Und genau das werde ich tun.​​​​​​​

🇬🇧 Maedeh Salimian (b.1990) 
My name is Maedeh Salimian. I was born in Tehran, Iran, in 1990.
I grew up in what was, at the time, a relatively peaceful Iran, surrounded by a loving and close family. My childhood was filled with the comfort of family gatherings, familiar streets, and the feeling that I belonged. Yet even as a young woman, I struggled with expectations that never felt right to me. One of those expectations was wearing the hijab. It was not a choice I felt reflected who I was, and because I chose not to wear it, I was arrested twice for protesting against the rules imposed on women. Those experiences taught me how difficult it could be to live openly and honestly in a society where personal freedoms were so restricted.
My parents still live in Iran. They have moved to what they hope is a safer part of the country, but staying in touch has become increasingly difficult. Internet restrictions and outages have made communication almost impossible. Even phone calls have become expensive and unreliable. Sometimes days pass without any contact, leaving me worried and helpless. The distance between us feels greater than ever, not just because of geography, but because of the barriers created by fear, uncertainty, and political instability.
Returning to Iran is not an option for me. Not only because of the conflict and instability, but because I have converted to Christianity. My faith has become an important part of my life and identity. Unfortunately, it is also one of the reasons I could face serious consequences if I were to return.
In 2019, I married my husband, Ata, who is also from Tehran. He escaped Iran a few years ago and was eventually resettled in Skegness. Like me, he is also a Christian, and returning to Iran would place him in serious danger. For both of us, going back is simply not possible at the moment.
After our marriage, I remained in Iran while Ata was in England. For three long years, we were unable to see each other in person. We were husband and wife, yet separated by borders, politics, and circumstances beyond our control. We relied on phone calls, messages, and hope to keep our relationship strong. It was an incredibly painful and traumatic time for both of us, and there were moments when the uncertainty felt overwhelming.
Being reunited with Ata and moving to Skegness was one of the most emotional moments of my life. Leaving my family behind broke my heart, but arriving here also gave me a new beginning. The people of Skegness welcomed me with kindness and friendship. Over time, I have built a support network that feels like a second family. Their generosity helped me settle into a new country and gave me the confidence to start rebuilding my life.
Of course, I miss my parents and siblings every single day.
And now, I have wonderful news. I am expecting a baby.
Our child will be born here in Skegness this October, and I could not be more excited. Becoming a mother is something I have dreamed about for many years. At the same time, my greatest wish is for my mother to be with me when I give birth. She will do everything she can to obtain a visa and make the journey, but with the situation in Iran as it is, nothing is certain. All I can do is pray and hope that she will be able to share this special moment with us.
Recently, my family suffered a devastating loss when a young relative, only twenty years old, died after taking part in protests against the government. The pain of that loss is something that words can barely describe. It is a reminder of the risks so many young people continue to face simply for speaking out and demanding change.
The situation in Iran remains heartbreaking. Conflict, political tensions, and economic hardship have affected everyone. Food prices change almost daily, and many people are struggling simply to survive. Families are being pushed into poverty, and countless people are living with fear and uncertainty about what tomorrow might bring.
Every day I worry about my loved ones. Every day I pray for their safety.
Today, I have a husband I love, a baby on the way, and a home here in Skegness. Living by the sea gives me a sense of peace and hope. When I look out across the water, I am reminded that even after hardship, loss, and separation, there is still a future worth believing in.
I pray for my country. I pray for peace. I pray for my family.
Above all, I pray for hope.
We have to live in hope.
And that is exactly what I intend to do.
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