🇩🇪 Bamidele Akomolafe (geb. 1968)
Obwohl ich 1968 in Camden Town in London geboren wurde, fühlte sich England während meiner Kindheit nie wirklich wie mein Zuhause an.
Als ich gerade einmal drei Monate alt war, trafen meine Eltern eine Entscheidung, die ihnen sehr schwergefallen sein muss. Sie studierten beide Jura und wussten, dass sie mir nicht die Zeit und Aufmerksamkeit geben konnten, die ich brauchte, während sie gleichzeitig versuchten, eine Zukunft für unsere Familie aufzubauen. Deshalb schickten sie mich nach Nigeria, wo ich bei meinen Großeltern leben sollte.
Wenn ich heute zurückblicke, kann ich mir nur vorstellen, wie schwer das für sie gewesen sein muss. Doch diese eine Entscheidung bestimmte den weiteren Verlauf meines Lebens.
Nigeria wurde mein Zuhause.
Meine Großeltern zogen mich in meinen ersten Lebensjahren groß und schenkten mir eine Kindheit voller Liebe und Familie und ein starkes Gefühl dafür, wer ich war. Sie wurden zu meiner Welt. Diese kostbaren Jahre werde ich immer in meinem Herzen tragen.
Als ich nach Nigeria geschickt wurde, dauerte der Biafra Krieg noch an. Zum Glück war der Krieg vorbei, als meine Eltern nach Nigeria zurückkehrten und ich ungefähr fünf Jahre alt war. Heute ist es in unserer Familie fast zu einem kleinen Scherz geworden, dass ich während eines Krieges „nach Hause geschickt“ wurde. Manchmal hilft Lachen einer Familie dabei, selbst mit schwierigen Zeiten umzugehen.
Obwohl ich als britische Staatsbürgerin geboren wurde, wuchs ich als nigerianisches Mädchen auf. England war ein Ort, den wir im Urlaub besuchten, aber Nigeria war der Ort, an dem meine Erinnerungen entstanden, an dem ich zur Schule ging und an dem ich die Werte lernte, die mich mein ganzes Leben begleitet haben.
Erst 1993, als ich fünfundzwanzig Jahre alt war, zog ich dauerhaft zurück nach England. Ich ließ mich in Earl’s Court nieder, nur wenige Kilometer von Camden Town entfernt, wo mein Leben begonnen hatte.
In vielerlei Hinsicht fühlte es sich seltsam an. Ich war in das Land meiner Geburt zurückgekehrt, und trotzdem war es fast so, als würde ich es zum ersten Mal entdecken. Es war mir vertraut und gleichzeitig vollkommen neu.
Als junge Frau liebte ich an London besonders die Mode. Ich habe immer geglaubt, dass unsere Kleidung etwas darüber erzählt, wer wir sind. Kräftige Farben haben schon immer zu meiner Persönlichkeit gepasst. Sie geben mir Selbstvertrauen und Lebensfreude und lassen mich einfach ich selbst sein. In London hatte ich unendlich viele Möglichkeiten, diese Seite von mir auszuleben, und ich habe jede Minute davon genossen.
Während meiner Zeit in London wurde ich stolze Mutter von zwei wunderbaren Söhnen.
Mein Leben verlief nie geradlinig. Im Laufe der Jahre bin ich oft umgezogen und lebte zwischenzeitlich noch einmal in Nigeria. Schließlich führte mich mein Weg nach Skegness, nachdem mein Sohn dort die Grammar School begonnen hatte.
Anfangs hätte ich nie gedacht, dass ich bleiben würde.
Doch mit den Jahren wurde Skegness ganz still und selbstverständlich zu meinem Zuhause. Nachdem ich in meinem Leben so oft umgezogen war, ist es unglaublich schön, mich endlich angekommen zu fühlen. Meine Freunde nennen mich scherzhaft sogar „Mama Skegness“, ein Spitzname, der mich immer zum Lächeln bringt.
Nachdem ich in London gelebt hatte, wo Busse und Züge scheinbar Tag und Nacht unterwegs waren, würde ich mir für Skegness vor allem bessere Zugverbindungen wünschen. Besonders am Wochenende fahren die letzten Züge oft ziemlich früh, und das kann vielen Menschen das Leben erschweren. Für einen so schönen Küstenort würden bessere Verkehrsverbindungen viele neue Möglichkeiten schaffen.
Mein christlicher Glaube stand immer im Mittelpunkt meines Lebens. Er hat mich gelehrt, wie wichtig Liebe, Freundlichkeit, Mitgefühl und die Bereitschaft sind, anderen zu helfen, wann immer ich kann. Heute engagiere ich mich ehrenamtlich und helfe dabei, Drei Gänge Menüs für Menschen in unserer Gemeinde anzubieten. Dazu gehören Menschen ohne festen Wohnsitz, ältere Menschen und auch diejenigen, die einfach jemanden brauchen, der sich zu ihnen setzt und mit ihnen spricht.
Manchmal kann es genauso wichtig sein, einem Menschen Zeit zu schenken wie eine Mahlzeit. Menschen müssen wissen, dass sie gesehen werden und dass sich jemand um sie kümmert.
Zu den Dingen, die ich an Skegness am meisten liebe, gehört natürlich das Meer.
Es hat etwas unglaublich Beruhigendes, am Strand entlangzugehen, den Wellen zuzuhören und die frische Meeresluft einzuatmen. Ganz gleich, was mir das Leben bisher gebracht hat, das Meer hilft mir immer wieder, die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken.
Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, wie weit mich mein Leben geführt hat. Ich wurde in London geboren, wuchs in Nigeria auf, kehrte als junge Frau nach England zurück, wurde Mutter, zog öfter um, als ich zählen kann, und landete schließlich hier an der Küste von Lincolnshire.
Viele Menschen glauben, Zuhause sei einfach der Ort, an dem man geboren wurde. Mein Leben hat mich etwas anderes gelehrt.
Für mich ist Zuhause dort, wo ich mich angenommen fühle, wo Menschen um mich herum sind, die mir etwas bedeuten, und wo ich einfach ich selbst sein kann.
Nach einem Leben zwischen verschiedenen Orten habe ich dieses Zuhause in Skegness gefunden.
🇬🇧 Bamidele Akomolafe (b. 1968)
Although I was born in Camden Town, London, in 1968, England never really felt like home during my childhood.
At just three months old, my parents made what must have been a difficult decision in their lives. They were both studying law and knew they couldn’t give me the time and attention I needed while trying to build a future for our family. So, they sent me to Nigeria to live with my grandparents.
Looking back now, I can only imagine how difficult that must have been for them. But that one decision shaped the course of my life. Nigeria became my home.
My grandparents raised me during my earliest years and gave me a childhood filled with love, family and a strong sense of who I was. They became my world. Those precious years are something I will always treasure.
When I was sent to Nigeria, the Biafran War was still taking place. Thankfully, by the time my parents returned to Nigeria when I was around five years old, the war had ended. Today, it’s become something of a family joke that I was “sent home” during a war. Sometimes laughter is the way families make sense of even the most difficult times.
Although I was born a British citizen, I grew up as a Nigerian girl. England was somewhere we visited on holiday, but Nigeria was where my memories were made, where I went to school and where I learned the values that have stayed with me throughout my life.
It wasn’t until 1993, when I was twenty-five years old, that I moved back to England to live permanently. I settled in Earl’s Court, just a few miles from Camden Town, where my life had first begun.
It felt strange in many ways. I had returned to the country of my birth, yet it was almost like discovering it for the first time. It was both familiar and completely new.
As a young woman, one of the things I loved most about London was fashion. I’ve always believed that what we wear says something about who we are. Bright colours have always reflected my personality. They make me feel confident, joyful and unapologetically myself. Living in London gave me endless opportunities to express that side of myself, and I loved every minute of it.
During my time in London, I became the proud mother of two wonderful boys.
Life has never followed a straight path. Over the years, I’ve moved many times, including another period living in Nigeria, before eventually finding myself in Skegness after my son started at the local grammar school.
At first, I never imagined I would stay. But over the years, Skegness quietly became my home. After moving so many times throughout my life, there is something incredibly comforting about finally feeling settled. My friends even jokingly call me “Mama Skegness”, a nickname that always makes me smile.
Having lived in London, where buses and trains seemed to run day and night, one thing I would love to see improve in Skegness is the trains. Services often stop quite early, particularly at weekends, and that can make life difficult for many people. For such a wonderful seaside town, better transport would open up so many more opportunities.
My Christian faith has always been at the centre of my life. It has taught me the importance of love, kindness, compassion and serving others whenever I can. Today, I volunteer helping to provide three-course meals for people in our community, including those experiencing homelessness, elderly residents and anyone who simply needs someone to sit with and share a conversation.
Sometimes giving someone your time can be just as important as giving them a meal. People need to know that they are seen and that somebody cares.
One of the things I love most about Skegness is, of course, the sea. There is something incredibly calming about walking along the beach, listening to the waves and breathing in the fresh sea air. No matter what life has thrown at me, the sea has a way of putting things into perspective.
When I look back, I realise just how far my life has taken me. I was born in London, raised in Nigeria, returned to England as a young woman, became a mother, moved more times than I can count and eventually found myself here on the Lincolnshire coast.
People often think home is simply where you’re born. My life has taught me differently.
For me, home is where I feel accepted, where I have people around me who matter and where I can simply be myself. After a lifetime of moving between different places, I found that home in Skegness.