Photo of Hannah Tompkins / Byford from Skegness

Hannah Tompkins / Photo: ©Byford.JOHN  > 2026. Skegness ​​​​​​​

🇩🇪​​​​​​​ Hannah Tompkins (geb. 1994)
Ich wurde 1994 in Skegness geboren und wuchs mit dem Meer als Teil meines Alltags auf. Wenn man an einem Ort wie Skegness geboren wird, merkt man wahrscheinlich gar nicht, wie sehr die Küste zu einem Teil von einem selbst wird. Der Geruch des Meeres, die Möwen, der Sand und die Möglichkeit, einfach zum Strand hinunterzugehen, waren für mich völlig normal. Heute lebe ich in Gibraltar und wieder hat mich mein Leben ans Meer geführt. Wenn ich am Wasser bin, erinnert mich noch immer vieles daran, wo meine Geschichte begann.
Auch Deutschland war schon Teil meiner Kindheit. Als Kind besuchte ich Bad Gandersheim, ohne zu ahnen, dass viele Jahre später meine eigenen Fotografien ihren Weg zurück in diese Gegend Deutschlands finden würden. Es ist seltsam, wie ein Ort, an den man sich aus der Kindheit erinnert, für eine Weile aus dem eigenen Leben verschwinden und später auf ganz andere Weise wieder Teil der eigenen Geschichte werden kann.
Nach der Schule zog ich nach London, um Fotografie zu studieren. Damit folgte ich den Spuren meines Vaters, begann aber gleichzeitig, meine eigene Richtung als Künstlerin zu finden. Ich steckte alles in mein Studium und schloss es mit einem First Class Honours Degree with Distinction ab, worauf ich unglaublich stolz war. Die Fotografie gab mir die Möglichkeit, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich persönlich interessierten, besonders mit Frauen, ihren Körpern und der Beziehung dazu, wie wir uns selbst sehen.
In meinen frühen Arbeiten beschäftigte ich mich mit dem weiblichen Körper, mit Sanftheit, Stärke und Akzeptanz. Mich interessierte, was es für eine Frau bedeutet, im eigenen Körper zu leben und ihn so anzunehmen, wie er ist, anstatt danach, wie andere meinen, dass er sein sollte. Damals hätte ich mir niemals vorstellen können, wie persönlich genau diese Fragen für mich einmal werden würden.
Meine Arbeiten wurden später zweimal in Deutschland ausgestellt, einmal in Einbeck und einmal in Brunshausen in Bad Gandersheim. Eigentlich hätten das aufregende Momente für mich als junge Fotografin sein sollen. Meine Fotografien wurden in einem anderen Land gezeigt, darunter an einem Ort, den ich noch aus meiner Kindheit kannte, und natürlich wollte ich selbst dabei sein. Doch wegen meiner Krankheit konnte ich nicht nach Deutschland reisen und keine der beiden Ausstellungen selbst sehen. Meine Fotografien machten diese Reise, aber ich konnte es nicht.
Der Krebs hatte alles verändert. In einer Zeit, in der ich eigentlich über meine Arbeit, die Ausstellungen und meine Zukunft als Fotografin hätte nachdenken sollen, drehte sich mein Leben plötzlich um Krankenhäuser, Behandlungen und darum, was mit meinem Körper geschah. Alles, was vorher wichtig erschienen war, rückte in den Hintergrund, während ich mich darauf konzentrierte, irgendwie durch diese Zeit zu kommen.
Der Krebs veränderte mein Aussehen und auch die Art, wie ich mich selbst wahrnahm. Ich verlor meine Haare und sah zu, wie sich mein Körper während der Behandlung veränderte. Ich erinnere mich daran, wie ich eines Morgens in den Spiegel schaute und nach jemandem suchte, den ich wiedererkannte. Ich wusste, dass ich es war, die mir entgegenblickte, und trotzdem fühlte ich mich nicht mehr wie die Person, die ich vorher gewesen war. Es machte mir Angst, meinen eigenen Körper zu sehen und das Gefühl zu haben, dass er mir fremd geworden war.
Die Ironie daran konnte ich nicht übersehen. Ich hatte mich in meiner Arbeit mit den Körpern von Frauen und mit Akzeptanz beschäftigt, und plötzlich hatte ich Schwierigkeiten, meinen eigenen Körper anzunehmen. Die Dinge, die ich zuvor durch meine Fotografie erforscht hatte, waren keine Themen mehr, die ich durch eine Kamera betrachten konnte. Sie waren Teil meines eigenen Lebens geworden, und ich musste mich ihnen auf eine Weise stellen, mit der ich niemals gerechnet hatte.
Der Krebs zwang mich auch, über eine Zukunft nachzudenken, von der ich nicht wusste, ob ich sie haben würde. Es bestand die Möglichkeit, dass die Behandlung meine Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte. Deshalb ließ ich vor der weiteren Behandlung einige meiner Eizellen entnehmen und einfrieren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, ob ich später einmal Kinder haben wollte oder ob ich überhaupt auf natürlichem Weg schwanger werden könnte. Plötzlich musste ich Entscheidungen über Mutterschaft und meine Zukunft treffen, während es für mich eigentlich nur darum ging, den Krebs zu überstehen. Diese Eizellen sind bis heute eingefroren und eingelagert.
Der Kampf gegen den Krebs war körperlich und emotional schwer. Es gab Zeiten, in denen ich erschöpft und voller Angst war, und Zeiten, in denen ich nicht wusste, wie meine Zukunft aussehen würde. Eine Zeit lang fiel es mir schwer, mir überhaupt ein Danach vorzustellen, weil sich so vieles nur darum drehte, den jeweiligen Tag und das, was gerade mit mir geschah, zu überstehen. Eine Krebsbehandlung bestimmt das ganze Leben auf eine Weise, die man nur schwer verstehen kann, solange man sie nicht selbst erlebt.
Ich lernte auch, wie wichtig die Menschen um einen herum sind, wenn man selbst kaum noch etwas zu geben hat. Es gab Freundlichkeit, Geduld und Unterstützung, als ich sie am dringendsten brauchte. Auch Menschen, die mit meinen Ausstellungen in Deutschland verbunden waren, bedeuteten mir in dieser Zeit wahrscheinlich mehr, als ihnen bewusst war. Obwohl ich nicht so dort sein konnte, wie ich es mir gewünscht hatte, gab mir das Wissen, dass meine Arbeiten dort waren und Menschen Anteil an dem nahmen, was mit mir geschah, etwas Positives, an dem ich festhalten konnte.
Meine Genesung geschah nicht in einem einzigen großen Moment. Sie kam nach und nach. Meine Haare begannen wieder zu wachsen, meine Kraft kehrte langsam zurück und ich fing an, mich selbst wiederzuerkennen, auch wenn ich nicht mehr genau dieselbe Person war wie vor dem Krebs. Ich glaube nicht, dass man so etwas erlebt und danach einfach wieder der Mensch ist, der man vorher war. Schließlich ging der Krebs in Remission, und langsam entstand in meinem Leben wieder Platz für Dinge, die nichts mit Behandlungen und Krankheit zu tun hatten.
Mein Leben ging weiter. Ich verliebte mich und heiratete, und später geschah etwas, von dem ich lange nicht gewusst hatte, ob es überhaupt möglich sein würde. Ich wurde auf natürlichem Weg schwanger. Nachdem meine Eizellen eingefroren worden waren, weil niemand wusste, welche Auswirkungen die Krebsbehandlung auf meine Fruchtbarkeit haben würde, bedeutete es mir unglaublich viel zu erfahren, dass ich auf natürlichem Weg ein Kind bekommen konnte.
Ich wurde Mutter, und heute habe ich zwei wunderschöne Kinder. Beide wurden auf natürlichem Weg gezeugt und beide haben dieselben roten Haare, was mich immer wieder zum Lächeln bringt. Nach allem, was mein Körper durchgemacht hatte, veränderte das Muttersein noch einmal die Art, wie ich ihn betrachtete. Es war derselbe Körper, den ich während der Behandlung im Spiegel kaum wiedererkannt und nur schwer akzeptiert hatte, und doch hatte genau dieser Körper mich durch den Krebs getragen und später meine Kinder getragen.
Heute ist mein Leben mit meiner Familie ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte, als ich Skegness verließ, um in London Fotografie zu studieren. Aber vielleicht verläuft das Leben von niemandem so, wie man es erwartet.
Manches von dem, was mir passiert ist, wird mich immer begleiten. In Remission zu sein bedeutet nicht, dass der Krebs einfach aus der eigenen Geschichte verschwindet oder dass man die Angst und Ungewissheit vergisst, die damit verbunden waren.
Ich denke noch immer über meine Fotografie und die Arbeiten nach, die ich vor meiner Erkrankung über Frauen und ihre Körper geschaffen habe. Heute verstehe ich manche dieser Gedanken anders, weil ich etwas erlebt habe, das meine Beziehung zu meinem eigenen Körper völlig verändert hat. Akzeptanz bedeutet mir heute etwas viel Persönlicheres als damals, als ich zum ersten Mal hinter einer Kamera stand und mich künstlerisch damit auseinandersetzte.
Auch Bad Gandersheim ist Teil meiner Geschichte geblieben. Zuerst kannte ich die Stadt als Kind, und viele Jahre später kehrten meine Fotografien dorthin zurück, auch wenn ich selbst es nicht konnte. Jetzt findet auch meine Geschichte wieder ihren Weg dorthin. Eines Tages würde ich sehr gerne selbst zurückkehren, diesmal mit meiner Familie, und an all das denken, was seit meinem Besuch als Kind geschehen ist.
Und dann ist da noch das Meer. Ich wuchs in Skegness an der Nordsee auf, und heute, all diese Jahre später, lebe ich in Gibraltar wieder am Meer. Ich liebe noch immer den Geruch von Salz in der Luft und das Gefühl, dem Wasser nahe zu sein. Es erinnert mich daran, woher ich komme und an die Kindheit, mit der alles begann. 
In Skegness begann meine Geschichte. Ich bin gereist, Fotografin geworden, meine Arbeiten wurden in Deutschland ausgestellt, ich habe gegen den Krebs gekämpft, mich verliebt, geheiratet und bin Mutter geworden. Das Leben hat mich auf eine Weise verändert, die ich mir als Mädchen am Strand von Skegness niemals hätte vorstellen können. Aber ganz gleich, wo ich lebe, dieses Mädchen aus Skegness wird immer ein Teil von mir sein.
🇬🇧 Hannah Tompkins  (b.1994)
I was born in Skegness in 1994 and grew up with the sea as part of everyday life. When you are born somewhere like Skegness, you probably don't realise how much the coast becomes part of you. The smell of the sea, the gulls, the sand and being able to walk down to the beach were simply normal to me. I live in Gibraltar now, but once again I find myself living beside the sea. There is something about being near the water that still takes me back to where I began.
Germany was also part of my childhood. I visited Bad Gandersheim when I was young, never imagining that years later my own photography would find its way back to that part of Germany. It is strange how somewhere you remember from childhood can disappear from your life for a while and then become part of your story again in a completely different way.
After school I moved to London to study photography, following in my dad's footsteps but beginning to find my own direction as an artist. I put everything into my studies and graduated with a first class honours degree with distinction, something I was incredibly proud of. Photography gave me a way to explore subjects that interested me personally, particularly women, their bodies and the relationship we have with the way we look at ourselves.
My early work explored the female body, softness, strength and acceptance. I was interested in what it meant for a woman to inhabit her own body and to accept it for what it was rather than what somebody else thought it should be. At the time, I could never have imagined how personally those ideas would come back to me.
My work went on to be exhibited twice in Germany, once in Einbeck and once at Brunshausen in Bad Gandersheim. These should have been exciting moments for me as a young photographer. My photographs were being seen in another country, including in a place I remembered visiting as a child, and naturally I wanted to be there with them. Sadly, illness meant that I wasn't able to travel to Germany to see either exhibition for myself. My photographs made that journey, but I couldn't.
Cancer had changed everything. At a time when I should have been thinking about my work, the exhibitions and where photography might take me next, suddenly my life became about hospitals, treatment and what was happening to my body. Everything that had seemed important before was pushed aside while I concentrated on getting through what was happening to me.
Cancer changed the way I looked and the way I felt about myself. I lost my hair and watched my body change through treatment. I remember looking in the mirror one morning and searching for somebody I recognised. I knew it was me looking back, but at the same time I didn't feel like the person I had been before. It was frightening to see my own body becoming something that felt unfamiliar to me.
There was an irony that was impossible to ignore. I had been creating work about women's bodies and acceptance, yet suddenly I was struggling to accept my own. The things I had explored through photography were no longer ideas I could observe through a camera. They had become part of my own life, and I was having to confront them in a way I could never have expected.
Cancer also made me think about a future I didn't know whether I would have. There was a possibility that the treatment could affect my fertility, so before continuing with it I had some of my eggs collected and frozen. At that point I didn't know whether I would ever want children, or whether I would even be able to have them naturally. Suddenly I was having to make decisions about motherhood and my future at a time when my immediate concern was simply getting through cancer. Those eggs remain frozen in storage today.
Fighting cancer was difficult, both physically and emotionally. There were times when I was exhausted and frightened and times when I didn't know what the future was going to look like. For a while it was difficult to imagine an after because so much of life became about getting through what was happening at that moment. Treatment takes over your world in a way that is difficult to understand until you are living through it.
I also learned how much the people around you matter when you don't have much left to give yourself. There was kindness, patience and support when I needed it most. People connected with my exhibitions in Germany also meant more to me during that period than they probably realised. Even though I couldn't be there in the way I had hoped, knowing that my work was there and that people cared about what was happening to me gave me something positive to hold on to.
Recovery didn't happen in one great moment. It came gradually. My hair began to grow back, my strength slowly returned and I started to recognise myself again, although I wasn't exactly the same person I had been before cancer. I don't think you go through something like that and simply return to who you were. Eventually my cancer went into remission, and slowly there was room in my life for things other than treatment and illness again.
Life began moving forward. I fell in love and got married, and later something happened that once hadn't seemed certain at all. I became pregnant naturally. After having my eggs frozen because we didn't know what cancer treatment might mean for my fertility, discovering that I could conceive naturally was incredibly important to me.
I became a mother, and today I have two beautiful children, both conceived naturally and both with the same red hair, which always makes me smile. After everything my body had been through, becoming a mum changed the way I saw it again. This was the same body I had struggled to recognise in the mirror during treatment, the same body I had struggled to accept, and yet it had carried me through cancer and later carried my children.
Today, my life with my family is very different from the one I imagined when I left Skegness to study photography in London, but perhaps nobody's life follows the route they expect it to. There are parts of what happened to me that will always remain with me. Being in remission doesn't mean cancer simply disappears from your story or that you forget the fear and uncertainty that came with it.
I still think about photography and the work I made about women's bodies before I became ill. I understand some of those ideas differently now because I have lived through an experience that completely changed my relationship with my own body. Acceptance means something much more personal to me than it did when I first stood behind a camera exploring it.
Bad Gandersheim has remained part of my story too. I first knew it as a child, and many years later my photography returned there even though I couldn't. Now my story is finding its way back once again. I would love to return myself one day, this time with my family, and think about everything that has happened since that childhood visit.
And then there is the sea. I grew up beside the North Sea in Skegness and now, all these years later, I find myself beside the sea again in Gibraltar. I still love the smell of salt in the air and the feeling of being close to the water. It reminds me of where I came from and of the childhood that started everything.
Skegness is where my story began. I have travelled, become a photographer, had my work exhibited in Germany, fought cancer, fallen in love, married and become a mum. Life has changed me in ways I could never have imagined when I was growing up beside that beach, but wherever I live, that girl from Skegness is still part of me.
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