Photo of Jo Fletcher from Skegness

Jo Fletcher / Photo: ©Byford.JOHN  > 2026. Skegness

🇩🇪 Jo Fletcher  (geb.1964)
Ich wurde in den West Midlands geboren und wuchs dort auf, weit entfernt vom Meer. Trotzdem trug ich immer diesen stillen Traum in mir, eines Tages am Meer zu leben. Ich stellte mir vor, dass dieser Wunsch erst später in meinem Leben Wirklichkeit werden würde, nach vielen Jahren Arbeit, vielleicht als Teil eines wohlverdienten Ruhestands. Den größten Teil meines Berufslebens arbeitete ich in der Verwaltung des NHS, des britischen Gesundheitsdienstes. Es war eine Arbeit, auf die ich stolz war und der ich mich mit ganzem Herzen widmete, doch der Gedanke an die Küste war nie weit entfernt. Ich stellte mir das Meer vor, die frische Luft und den Horizont, der sich scheinbar endlos erstreckte. Für mich fühlte sich das nach einer Freiheit an, die ich noch nicht erlebt hatte.
Viele Jahre lang blieb es genau das, ein Traum für die Zukunft. Es gab Arbeit zu erledigen und den normalen Alltag zu bewältigen, und wie so viele Menschen ging auch ich davon aus, dass noch genügend Zeit bleiben würde. Das Meer würde nicht verschwinden und mein Traum ebenso wenig. Ich dachte einfach, irgendwann würde der richtige Zeitpunkt kommen.
Doch das Leben hat seine eigene Art, selbst sorgfältig gemachte Pläne zu verändern. Im Jahr 2008 wurde ich wegen Brustkrebs operiert und behandelt. Es war eine schwierige Zeit, aber ich kam mit Kraft und Entschlossenheit hindurch. Nach so einer Erfahrung hofft man, sie hinter sich lassen und weitermachen zu können, dankbar dafür, dass die Behandlung vorbei ist und sich das Leben langsam wieder normal anfühlt.
Doch nur wenige Jahre später, 2012, wurde bei mir Darmkrebs diagnostiziert, und erneut musste ich mich Operationen und diesmal auch einer Chemotherapie unterziehen. Ein zweites Mal Krebs zu haben veränderte etwas in mir. Ich hielt inne und begann ernsthaft über die Zeit nachzudenken, darüber, wie kostbar sie ist und wie ungewiss die Zukunft sein kann. Auf „eines Tages“ zu warten fühlte sich plötzlich nicht mehr richtig an. Das Leben immer weiter aufzuschieben erschien mir zu riskant, besonders nachdem ich bereits zweimal daran erinnert worden war, dass keiner von uns wirklich weiß, was als Nächstes kommen kann.
Mein Partner und ich trafen gemeinsam eine Entscheidung. Wir wollten unsere Träume nicht länger aufschieben. Wir hatten Familie in Boston in Lincolnshire, kannten die Gegend also bereits gut und hatten viele schöne Tage in Skegness verbracht. Irgendetwas an diesem Ort zog uns immer wieder zurück, die Seeluft, die Weite und die Herzlichkeit der Menschen. Und für mich war natürlich besonders wichtig, dass dort das Meer war, von dessen Nähe ich so viele Jahre geträumt hatte.
2013 zogen wir nach Skegness und begannen einen neuen Abschnitt unseres Lebens an der Küste, nach der ich mich so lange gesehnt hatte. Plötzlich war das Meer nicht mehr irgendwo, wohin wir für einen Tag fuhren, bevor wir wieder nach Hause mussten. Es gehörte zu unserem Alltag. Ich konnte jederzeit zur Strandpromenade gehen, die Seeluft einatmen und über die Nordsee schauen. Nach allem, was ich in den Jahren zuvor erlebt hatte, fühlte es sich für mich besonders an, endlich an der Küste zu leben.
Ich hatte das Glück, wieder eine Stelle beim NHS zu finden, diesmal in der Verwaltung des Krankenhauses in Boston. Das gab mir ein Gefühl von Beständigkeit und Sinn, und ich war dankbar, weiterhin in einem Bereich arbeiten zu können, der einen so großen Teil meines Lebens ausgemacht hatte. Skegness war nun unser Zuhause und unser Leben hatte einen angenehmen Rhythmus gefunden. Trotzdem begann ich, mir für die Zukunft noch etwas Neues vorzustellen, ein Leben nicht nur in der Nähe des Meeres, sondern auch mit etwas, das wirklich uns gehörte.
Dann fiel uns 2023 völlig unerwartet etwas ins Auge: ein kleiner Kiosk in den Compass Gardens in Skegness, nur einen Steinwurf von der Strandpromenade entfernt, der zum Verkauf stand. Es war nichts, was wir jahrelang geplant hatten, und ein eigenes Unternehmen zu gründen war sicherlich nicht das, was die meisten Menschen von zwei Leuten erwarten würden, die langsam auf den Ruhestand zugingen. Es war eine große Entscheidung und es gab genügend Gründe, warum wir uns die Sache hätten ausreden können.
In dieser Phase unseres Lebens noch einmal etwas Neues zu beginnen fühlte sich gleichzeitig aufregend und beängstigend an. Aber da war auch dieses Gefühl, das wir nicht ignorieren konnten. Es war eine Gelegenheit, etwas Eigenes aufzubauen, einen Ort, der unsere harte Arbeit und unsere Träume widerspiegeln würde. Nach allem, was mir das Leben bereits darüber beigebracht hatte, wichtige Dinge nicht zu lange aufzuschieben, fühlte es sich falsch an, diese Gelegenheit einfach verstreichen zu lassen, nur weil es leichter gewesen wäre, auf Nummer sicher zu gehen.
Also fassten wir uns ein Herz und kauften den Kiosk.
Es folgten drei Jahre harter Arbeit, frühe Morgenstunden und jede Menge Dinge, die wir unterwegs erst lernen mussten. Ein eigenes Unternehmen bringt Herausforderungen mit sich, über die man vorher vielleicht gar nicht nachdenkt. Es gab vieles zu lernen, Entscheidungen zu treffen und genügend Situationen, in denen wir selbst herausfinden mussten, wie wir etwas am besten lösen konnten. Aber es gab auch viele schöne Momente, als wir sahen, wie Rosie Jo's nach und nach Gestalt annahm.
Aus diesem kleinen Kiosk wurde mit der Zeit etwas Größeres, ein einladendes Außencafé, an dem die Menschen anhalten, sich entspannen und einen Moment in der Nähe des Meeres genießen können. Menschen dort sitzen und ihre Zeit genießen zu sehen, erfüllte uns mit echtem Stolz. Was damit begonnen hatte, dass uns ein zum Verkauf stehender Kiosk aufgefallen war, war inzwischen ein Teil unseres täglichen Lebens geworden.
Einer der schönsten Aspekte von Rosie Jo's sind die Menschen. Skegness heißt Besucher aus allen Teilen des Landes willkommen, aber gleichzeitig gibt es hier auch eine starke Gemeinschaft von Einheimischen, und durch das Café haben wir so viele Menschen kennengelernt. Manche sind vertraute Gesichter, die immer wiederkommen, andere sind Urlauber, die uns zum ersten Mal entdecken. Natürlich geht es in einem Café um Essen und Getränke, aber genauso geht es um Gespräche, gemeinsames Lachen und darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen gerne ein wenig Zeit verbringen.
Heute ist Rosie Jo's ein lebendiger Teil der Strandpromenade und etwas, auf das wir unglaublich stolz sind. Wenn ich zurückblicke, kann ich manchmal kaum glauben, wie weit wir gekommen sind. Von einem Traum, der vor vielen Jahren in den West Midlands weit entfernt vom Meer entstand, über einige der schwierigsten Herausforderungen, die das Leben mir stellen konnte, bis hin zum Aufbau eines eigenen Unternehmens hier in Skegness war es ein ziemlich langer Weg.
Heute bin ich genau dort, wo ich mir früher nur vorgestellt hatte, eines Tages zu sein. Ich lebe am Meer, bin vollständig krebsfrei und stolze Besitzerin eines kleinen Cafés, das Teil der örtlichen Gemeinschaft geworden ist. Nach zwei Krebserkrankungen sagen zu können, dass ich heute krebsfrei bin, ist etwas, das ich niemals als selbstverständlich ansehen werde.
Diese Erfahrungen haben meine Einstellung zum Leben und besonders zur Zeit verändert. Ich glaube nicht mehr daran, Dinge endlos aufzuschieben. Es wird immer Gründe geben, bis zum nächsten Jahr zu warten, bis zur Rente, bis alles einfacher ist oder bis der Zeitpunkt perfekt erscheint. Manchmal kommt dieser perfekte Zeitpunkt einfach nicht.
Viele Jahre lang träumte ich davon, am Meer zu leben, und heute gehört die Nordsee zu meinem Alltag. Die Küste, die früher für eine Zukunft stand, von der ich hoffte, sie irgendwann einmal erleben zu dürfen, ist heute mein Zuhause. Und durch Rosie Jo's habe ich eine weitere Verbindung zu der Stadt gefunden, die diesen Traum möglich gemacht hat.
Jeder Tag erinnert mich daran, dass es einen manchmal an einen Ort führen kann, den man niemals erwartet hätte, wenn man etwas wagt, seinen Träumen folgt und die Zeit zu schätzen weiß. Ganz sicher hätte ich mir niemals vorgestellt, dass ich nach allem, was ich erlebt hatte, auf den Ruhestand zugehen und gleichzeitig ein Café am Meer eröffnen und führen würde.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Das Leben verläuft nicht immer nach den Plänen, die wir dafür machen. Manchmal sind es gerade die unerwarteten Möglichkeiten, die es wert sind, ergriffen zu werden.
Und nachdem ich so viele Jahre auf mein Leben am Meer gewartet habe, bin ich sehr froh, dass ich irgendwann aufgehört habe zu warten.
🇬🇧 Jo Fletcher  (b.1964) 
Born and raised in the landlocked West Midlands, I always carried a quiet dream of one day living by the sea. It was something I imagined would come later in life, after many years of steady work, perhaps as part of a well earned retirement. For most of my career, I worked in administration within the NHS, a role I was proud of and committed to, but the idea of the coast was never far from my mind. I pictured the sea, the fresh air, the horizon stretching endlessly. It felt like freedom I had yet to experience.
For years, it remained just that, a dream for the future. There was work to do and everyday life to get on with, and like so many people, I assumed there would always be plenty of time. The seaside wasn't going anywhere, and neither was the dream. I simply imagined that one day the right time would come.
Life, however, has a way of reshaping even the most carefully laid plans. In 2008, I underwent surgery and treatment for breast cancer. It was a challenging time, but one I came through with strength and determination. You hope after something like that you can put it behind you and carry on, grateful that the treatment is over and life can begin to feel normal again.
Then, just a few years later in 2012, I was diagnosed with bowel cancer and faced further surgery and chemotherapy. Going through cancer for a second time changed something in me. It made me stop and really think about time, how precious it is and how uncertain the future can be. Waiting for “one day” no longer felt like an option. Putting life on hold suddenly seemed too risky, particularly when I had already been reminded twice that none of us really knows what might be around the corner.
Together, my partner and I made a decision. We would not delay our dreams any longer. With family in Boston, Lincolnshire, we already knew the area well and had spent many happy days visiting Skegness. There was something about the place, the sea air, the sense of openness and the warmth of the people that kept drawing us back. Most importantly for me, there was the sea I had spent so many years imagining living beside.
In 2013, we made the move and began a new chapter of our lives on the coast I had always longed for. Suddenly the seaside wasn't somewhere we visited for the day before travelling home again. It was part of everyday life. I could go to the seafront whenever I wanted, breathe in the sea air and look out across the North Sea. After everything I had been through, finally living beside the coast felt particularly special.
I was fortunate to find a role once again within the NHS, working in administration at Boston Hospital. It gave me a sense of continuity and purpose, and I was grateful to continue contributing in a field that had been such a big part of my life. Skegness was now home and life had settled into a comfortable rhythm. Yet I also began to imagine something new for the future, a life not only near the sea but built around something we could call our own.
Then, in 2023, something unexpected caught our eye, a small kiosk for sale in Compass Gardens, just a stone's throw from the seafront in Skegness. It wasn't something we had spent years planning, and starting a business certainly wasn't what most people might expect from two people edging closer to retirement. It was a big decision and there were plenty of reasons why we could have talked ourselves out of it.
Starting something new at that stage in life felt both exciting and daunting. But there was also a feeling we couldn't ignore. This was an opportunity to create something of our own, a place that reflected both our hard work and our dreams. After everything life had already taught me about not waiting too long for the things that matter, it seemed wrong to let the opportunity pass simply because it might have been easier to play safe.
So, we took a leap of faith and bought the kiosk.
What followed were three years of hard work, early mornings and a fair bit of learning as we went along. Starting a business brings challenges you don't necessarily think about until you're actually doing it. There were things to learn, decisions to make and plenty of occasions when we had to work things out for ourselves. But there were also moments of real joy as we began to see Rosie Jo's take shape.
Slowly but surely, that little kiosk became something more, a welcoming outdoor café where people could stop, relax and enjoy a moment close to the sea. Seeing people sitting there enjoying themselves gave us a real sense of pride. What had started with spotting a kiosk for sale had become part of our everyday lives.
One of the loveliest parts of Rosie Jo's has been the people. Skegness welcomes visitors from all over the country, but there is also a strong local community, and through the café we have met so many people. Some are familiar faces who return, others are holidaymakers discovering us for the first time. A café is about food and drink, of course, but it is also about conversations, laughter and creating somewhere people feel comfortable spending a little time.
Today, Rosie Jo's is a thriving part of the seafront and something we are incredibly proud of. Looking back, it is hard to believe how far we have come. From a dream formed many years ago in the landlocked Midlands, through some of the toughest challenges life could throw at me, to building a business here in Skegness, it has been quite a journey.
Now I find myself exactly where I once only imagined I might be, living by the seaside, completely cancer free and the proud owner of a little café that has become part of the local community. Being able to say that I am cancer free after facing the disease twice is something I will never take for granted.
Those experiences changed the way I think about life and particularly about time. I don't believe in endlessly putting things off anymore. There will always be reasons to wait until next year, until retirement, until things are easier or until the timing seems perfect. Sometimes that perfect time simply doesn't arrive.
I spent many years dreaming about living beside the sea, and now the North Sea is part of my everyday life. The coast that once represented a future I hoped I might eventually have is now home, and Rosie Jo's has given me another connection to the town that made that dream possible.
Every day reminds me that taking chances, following your dreams and valuing time can sometimes take you somewhere you never expected. I certainly never imagined that after everything I had been through, I would be approaching retirement by opening and running a café beside the sea.
But perhaps that's the point. Life doesn't always happen according to the plans we make for it. Sometimes the unexpected opportunities are the ones worth taking.
And after waiting so many years for my life beside the sea, I'm very glad I finally stopped waiting.
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