🇩🇪 Kayleigh Byford (geb.1990)
Ich wurde 1990 in Watford im Norden Londons geboren, aber bevor ich nach Skegness kam, hatte ich eigentlich nie das Gefühl, wirklich mit einem bestimmten Ort verbunden zu sein. Davor waren wir mehrmals umgezogen, und eine Zeit lang lebten wir sogar auf der anderen Seite der Irischen See in Nordirland. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, dass ein großer Teil meiner Kindheit daraus bestand, mich gerade irgendwo einzuleben und dann wieder wegziehen zu müssen.
Besonders in der Schule machte mir das viele Umziehen das Leben schwer. Jeder Umzug bedeutete ein neues Klassenzimmer, neue Lehrer, neue Gesichter und wieder ganz von vorne anzufangen. Ich war immer die Neue und versuchte herauszufinden, wo mein Platz war. Gerade wenn ich anfing, mich einzuleben, Freunde zu finden und mich wohlzufühlen, schien es oft schon wieder Zeit für den nächsten Umzug zu sein.
Mit der Zeit wirkte sich das auf mein Selbstvertrauen aus. In ein Klassenzimmer zu kommen, in dem sich alle anderen bereits zu kennen schienen, war nicht einfach, besonders wenn ich das Gefühl hatte, immer wieder ganz am Anfang zu stehen. Ich wurde außerdem wegen meiner roten Haare gemobbt. Natürlich hatte ich schon immer rote Haare, aber als ich jünger war, fiel ich dadurch auf und leider gab das manchen Kindern etwas, worüber sie sich lustig machen konnten. Damals schien es wirklich nichts zu sein, worauf man stolz sein sollte, rote Haare zu haben, und die Kommentare haben mich sehr getroffen.
Etwa zu dieser Zeit setzte sich Mum mit mir zusammen und erklärte mir, dass der Mann, mit dem ich aufwuchs, nicht mein leiblicher Vater war. Sie erzählte mir, dass meine roten Haare von meinem richtigen Vater kamen. Sein Name war John. Als Kind muss man so etwas erst einmal verstehen. Plötzlich wusste ich, dass es irgendwo einen anderen Menschen gab, der ein Teil von mir war, obwohl ich ihn noch nie getroffen hatte. Ich kannte seinen Namen und sah Fotos von ihm, aber er gehörte nicht zu meinem täglichen Leben.
Wenn ich heute an meine roten Haare zurückdenke, muss ich ein bisschen lachen. Die Zeiten haben sich geändert, und vielleicht haben Menschen wie Ed Sheeran ja dazu beigetragen, dass man heute stolz darauf sein kann, rote Haare zu haben! Etwas, für das ich mich früher geschämt habe, würde ich heute niemals ändern wollen. Es gehört zu mir und ist gleichzeitig eine sichtbare Verbindung zu meinem Vater. Wenn ich ihm deshalb ähnlich sehe, könnte ich darauf nicht stolzer sein.
Die Schule wurde irgendwann so schwierig für mich, dass ich begann, sie zu schwänzen. Nicht, weil mir meine Bildung egal war oder weil ich nichts erreichen wollte. Ich war ein Kind, das mit Dingen zurechtkommen musste, die ich selbst noch nicht richtig verstand, und ich versuchte einfach, einem Ort aus dem Weg zu gehen, an dem ich mich oft unglücklich fühlte.
Trotz all der Umzüge stammen einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen aus Nordirland. Es war einer der Orte, an denen ich mich wirklich akzeptiert fühlte. Ich fand richtige Freunde, lachte viel und hatte die Freiheit, einfach ein Kind zu sein. Diese Erinnerungen sind mir geblieben, und wenn ich heute an Nordirland denke, erinnere ich mich noch immer an dieses Glück.
Der Umzug zurück nach Northampton brachte einige der schwierigsten Jahre meines Lebens mit sich. Die Beziehung zu Mum wurde immer schwieriger und ich erlebte Missbrauch durch meinen Stiefvater. Es gab Zeiten, in denen sich mein Zuhause nicht wie ein Ort anfühlte, an dem ich mich entspannen oder sicher fühlen konnte, und während vieler dieser Jahre fragte ich mich, ob das Leben irgendwann leichter werden würde.
Während all dieser Zeit dachte ich immer wieder an meinen richtigen Vater. Seit dem Tag, an dem Mum mir zum ersten Mal von ihm erzählt hatte, wollte ich mehr wissen. Wie war er? Hatten wir etwas gemeinsam? Würde er etwas von sich selbst in mir erkennen? Dachte er überhaupt manchmal an mich? Heute weiß ich, dass er es tat.
Achtzehn Jahre lang war Dad jemand, von dem ich wusste, aber nicht jemand, den ich wirklich kannte. Dann, als ich achtzehn war, änderte sich alles. Ich lebte in Northampton und Dad lebte in Skegness. Wir begannen über Facebook miteinander zu schreiben, und schließlich kam er, um mich zu treffen.
Jahrelang hatte ich mir vorgestellt, wie dieser Moment wohl sein würde. Ich fragte mich, worüber wir miteinander reden würden und ob es sich seltsam anfühlen würde, einem Menschen gegenüberzustehen, der mein Vater war und gleichzeitig irgendwie ein Fremder. Aber es fühlte sich überhaupt nicht seltsam an. Von dem Moment an, als wir uns trafen, fühlte es sich an, als hätte ich ihn mein ganzes Leben lang gekannt. Besser kann ich es eigentlich nicht erklären. Es gab kein unangenehmes Schweigen und nicht das Gefühl, dass wir eine Beziehung erzwingen mussten. Es fühlte sich einfach natürlich an. Natürlich konnten wir die achtzehn verlorenen Jahre nicht zurückholen, aber irgendwie standen sie auch nicht zwischen uns.
Wir hatten unglaublich viel zu erzählen. Da waren achtzehn Jahre voller Fragen, Familiengeschichten und Dinge, die wir nicht gemeinsam erlebt hatten. Aber unter all dem war einfach dieses Gefühl, endlich einen Menschen getroffen zu haben, den ich eigentlich schon immer hätte kennen sollen. Man sagt manchmal, dass manche Dinge das Warten wert sind. Meinen Dad kennenzulernen war es ganz bestimmt.
Nicht lange danach begann ich, für Urlaube und kurze Aufenthalte nach Skegness zu kommen. Anfangs kam ich, weil Dad hier lebte, aber nach und nach entwickelte ich meine ganz eigene Verbindung zur Stadt. Ich lernte Menschen kennen, fand Freunde und fühlte mich immer wohler hier. Skegness war nicht länger einfach nur der Ort, an dem mein Vater lebte. Es wurde zu einem Ort, an dem ich mir vorstellen konnte, selbst zu leben. Irgendwann zog ich hierher.
Als meine eigene Familie wuchs und ich Mutter von drei wunderbaren Kindern wurde, zwei Jungen und einem Mädchen, wurde mir etwas sehr bewusst. Ich wollte ihnen etwas geben, das ich selbst als Kind nie wirklich gehabt hatte: Beständigkeit. Ich wollte, dass sie wissen, wo ihr Zuhause ist. Ich wollte, dass sie dieselben Schulen besuchen, ihre Freunde behalten und mit vertrauten Menschen um sich herum aufwachsen können, anstatt immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Skegness hat ihnen genau das gegeben. Und mir auch.
Das Leben am Meer habe ich lieben gelernt. Ich genieße es, am Strand spazieren zu gehen, den Wellen zuzuhören und die frische Seeluft einzuatmen. Vielleicht liegt es daran, dass meine Kindheit von so vielen Umzügen geprägt war, aber es hat etwas Beruhigendes, vertraute Orte zu haben, zu denen ich immer wieder zurückkehren kann.
Ich habe hier wunderbare Freunde gefunden und bin Teil der Gemeinschaft geworden. Für jemanden, der einen großen Teil seiner Kindheit damit verbracht hat, immer die Neue zu sein, fühlt es sich heute ganz anders an, durch die Stadt zu gehen und Menschen zu erkennen.
Ich arbeite in einem Geschäft vor Ort und helfe außerdem dabei, die Postfiliale zu führen. Dadurch treffe ich jeden Tag ganz unterschiedliche Menschen. Viele sind zu vertrauten Gesichtern geworden und manche zu Freunden. Ich mag es, Menschen zu kennen und selbst gekannt zu werden. Nach all den Jahren, in denen ich irgendwo ankam und die Fremde war, bedeutet mir das wahrscheinlich mehr, als andere Menschen vielleicht denken.
Dad hat mich ebenfalls mit vielen Menschen bekannt gemacht. Er ist Fotograf, und wenn man mit ihm irgendwohin geht, kann es schon einmal etwas länger dauern, weil scheinbar immer jemand stehen bleibt, um Hallo zu sagen! Durch ihn und durch meine eigene Arbeit und mein Leben hier habe ich Menschen kennengelernt, die heute ein wichtiger Teil meines Lebens sind.
Mein Leben sieht heute ganz anders aus als das Leben, das ich als kleines Mädchen kannte. Ich habe meinen Partner Aaron an meiner Seite, meine drei Kinder, wunderbare Freunde, eine Arbeit, die ich wirklich gerne mache, und eine Beziehung zu dem Vater, auf dessen Kennenlernen ich achtzehn Jahre warten musste.
Natürlich hat das Treffen mit Dad nicht plötzlich alles ausgelöscht, was vorher passiert war. So funktioniert das Leben nicht. Manche Dinge aus der Kindheit bleiben bei einem, und anderes versteht man erst anders, wenn man älter wird. Aber Dad kennenzulernen gab mir etwas, das lange gefehlt hatte. Und nach Skegness zu kommen gab mir schließlich noch etwas anderes, das ich vorher nie wirklich gehabt hatte: einen Ort, an dem ich bleiben konnte.
Einen großen Teil meiner Kindheit verbrachte ich damit, meine Sachen zu packen, weiterzuziehen, die Schule zu wechseln und immer wieder die Neue zu sein. Meine Kinder wachsen anders auf. Sie kennen diese Stadt, sie haben ihre Freunde und sie wissen, wo ihr Zuhause ist. Und ich weiß es auch.
Zuhause ist nicht immer der Ort, an dem man geboren wurde. Manchmal ist es der Ort, der einem hilft zu heilen. Manchmal ist es der Ort, an dem die eigene Geschichte wirklich beginnt. Für mich wird dieser Ort immer Skegness sein.
🇬🇧 Kayleigh Byford (b. 1990)
I was born in 1990 in Watford, North London, but I never really felt connected to one place until I moved to Skegness. Before then, we’d moved several times, and at one point we even moved across the Irish Sea to Northern Ireland. Looking back now, I realise that a lot of my childhood was spent getting used to somewhere and then having to leave it again.
Moving so often made life particularly difficult when it came to school. Every move meant a new classroom, new teachers, new faces and starting all over again. I was always the new girl, trying to work out where I fitted in. Just as I was beginning to settle, make friends and feel comfortable, it often seemed as though it was time to move again.
Over time that affected my confidence. Walking into a classroom where everybody already seemed to know each other wasn’t easy, particularly when I felt as though I was constantly starting from the beginning. I was also bullied because of my ginger hair. I’ve always had ginger hair, obviously, but when I was younger it made me stand out and unfortunately gave some children something to pick on. Back then, being ginger certainly wasn’t something people seemed to celebrate, and the comments really affected me.
It was around that time that Mum sat me down and explained that the man I was growing up with wasn’t my real dad. She told me that my ginger hair came from my natural father. His name was John. As a child, that’s quite a lot to try to understand. Suddenly I knew there was another person out there who was part of me, even though I’d never met him. I knew his name and saw photographs, but he wasn’t someone who was part of my everyday life.
It’s funny looking back at the ginger hair now. Times have changed, and perhaps people like Ed Sheeran have helped make being ginger something to be proud of! Something I was once embarrassed about is now something I wouldn’t change. It’s part of who I am and also a visible connection to my dad. If I look like him because of it, then I couldn’t be prouder.
School eventually became so difficult that I started skipping it. It wasn’t because I didn’t care about my education or didn’t want to succeed. I was a child dealing with things I didn’t properly understand and trying to avoid somewhere that often made me unhappy.
Despite all the moving, some of my happiest childhood memories are from Northern Ireland. It was one of the places where I really felt accepted. I made proper friends, laughed and had the freedom simply to be a child. Those memories have stayed with me, and when I think about Northern Ireland now, I still remember that happiness.
Moving back to Northampton brought some of the hardest years of my life. My relationship with Mum became increasingly difficult and I suffered abuse from my stepfather. There were times when home didn’t feel like somewhere I could relax or feel safe, and I spent a lot of those years wondering whether life would ever become easier.
Through all of that, I continued wondering about my real dad. From the day Mum first told me about him, I wanted to know more. What was he like? Did we have anything in common? Would he recognise himself in me? Did he ever think about me? Looking back now, I know he did.
For eighteen years, Dad was someone I knew about rather than someone I actually knew. Then, when I was eighteen, everything changed. I was living in Northampton and Dad was living in Skegness. We started talking through Facebook, and eventually he came to meet me.
I had spent years imagining what that moment might be like. I wondered what we’d say to each other and whether it would feel awkward to be standing in front of somebody who was my father but also, in a way, a stranger. It wasn’t awkward at all. From the moment we met, it felt as though I’d known him all my life. I can’t really explain it any better than that. There was no uncomfortable silence and no feeling that we had to force a relationship. It was natural. Those eighteen missing years couldn’t be brought back, of course, but somehow they didn’t seem to stand between us either.
We had so much to talk about. There were eighteen years of questions, family stories and things we hadn’t experienced together, but underneath all of that there was simply this feeling that I’d finally met someone I’d always been meant to know. People sometimes say certain things are worth waiting for. Meeting my dad certainly was.
Not long afterwards, I began coming to Skegness for holidays and short breaks. At first I was coming because Dad was here, but gradually I began forming my own relationship with the town. I met people, made friends and started feeling comfortable here. Skegness stopped being simply the place where my dad lived and became somewhere I could imagine living myself. Eventually I made that move.
As my own family grew and I became mum to three wonderful children, two boys and a girl, I became very aware of something I wanted them to have that I hadn’t really had as a child: stability. I wanted them to know where home was. I wanted them to be able to stay at the same schools, keep their friends and grow up surrounded by familiar people rather than constantly having to start again. Skegness has given them that, and it has given it to me as well.
Living beside the sea is something I’ve grown to love. I enjoy being able to walk along the beach, listen to the waves and breathe in the fresh sea air. Perhaps because so much of my childhood involved moving, there’s something reassuring about having familiar places I can return to again and again.
I’ve made wonderful friends here and become part of the community. For someone who spent so much of her childhood feeling like the new girl, there’s something very different about walking through town now and recognising people.
I work in a local shop and also help to run the Post Office, so I meet people from all walks of life every day. Many have become familiar faces and some have become friends. I like knowing people and being known. After years of arriving somewhere as the stranger, that means more to me than people might realise.
Dad has introduced me to plenty of people too. He’s a photographer, and going anywhere with him can take a while because there always seems to be somebody stopping him to say hello! Through him, and through my own work and life here, I’ve met people who have become an important part of my world.
Today my life looks very different from the one I knew as a little girl. I have my partner Aaron beside me, my three children, wonderful friends, a job I genuinely enjoy and a relationship with the dad I waited eighteen years to meet.
Of course, meeting Dad didn’t magically erase everything that happened before. Life doesn’t work like that. There are things from childhood that stay with you, and there are things you understand differently as you get older. But meeting him gave me something that had been missing, and coming to Skegness eventually gave me something else I’d never really had: somewhere to stay.
I spent much of my childhood packing up, moving on, changing schools and being the new girl. My children are growing up differently. They know this town, they have their friends and they know where home is. And so do I.
Home is not always where you are born. Sometimes it is the place that heals you. Sometimes it is the place where your story truly begins. For me, that place will always be Skegness.