🇩🇪 Pat Massie (geb.1951)
Ich wurde 1951 in Süd-London geboren. Wenn ich heute zurückblicke, glaube ich, dass ich schon immer neugierig auf die Welt war und mich für Orte interessierte, die jenseits dessen lagen, wo ich gerade lebte. In der Schule liebte ich Sprachen, besonders Französisch, deshalb erschien es mir ganz selbstverständlich, dieses Fach zu studieren, als ich an die Universität in Kent ging. Ich genoss meine Zeit dort und schloss mein Studium mit einem Abschluss ab, der mein Leben später in Richtungen führen sollte, die ich mir zu Beginn niemals hätte vorstellen können.
Meine erste richtige Stelle hatte ich bei der Morgan Bank, wo ich als Sekretärin arbeitete. 1974 bekam ich dann die Möglichkeit, mit der Bank nach Paris zu gehen. Ich war noch eine junge Frau, und in ein anderes Land zu ziehen war ein großer Schritt, aber einer, den ich nie bereut habe.
Ich liebte Paris. Es war aufregend, in einem anderen Land zu leben und Französisch jeden Tag tatsächlich zu sprechen, anstatt es nur aus einem Lehrbuch zu lernen. Diese Zeit gab mir Selbstvertrauen und Unabhängigkeit, und ich genoss es, von einer anderen Sprache, Kultur und Lebensweise umgeben zu sein. Diese Jahre haben mir wunderbare Erinnerungen geschenkt, und auch heute noch ist Paris einer jener Orte, an die ich mit großer Zuneigung zurückdenke.
Später kehrte ich nach Großbritannien zurück und ließ mich in Edinburgh nieder, wo mein Leben eine völlig andere Richtung nahm. Ich begann, Englische Literatur zu unterrichten, und diese Arbeit machte mir große Freude. Kein Tag war genau wie der andere, und es war schön zu erleben, wie junge Menschen Bücher, Schriftsteller und Ideen entdeckten, denen sie sonst vielleicht nie begegnet wären. Sprachen hatten mir die Welt geöffnet, und vielleicht bot Literatur jungen Menschen eine andere Möglichkeit, etwas Ähnliches zu erleben.
In Edinburgh lernte ich auch meinen Mann Gordon kennen. Wir heirateten 1978 und bauten uns gemeinsam ein gutes Leben auf. Gordon arbeitete als Verkaufsleiter, und wann immer wir die Gelegenheit hatten, reisten wir gerne. Meine Neugier auf andere Orte hat mich eigentlich nie verlassen.
Deutschland gehörte zu den Ländern, die ich im Laufe der Jahre besuchte, und mein Interesse an Sprachen begleitete mich mein ganzes Erwachsenenleben hindurch. Auch heute spreche ich noch gerne Französisch und Deutsch und gehöre Gruppen für beide Sprachen an. Außerdem war ich Mitglied einer Wandergruppe für längere Strecken und liebte es, viele Kilometer zu Fuß zurückzulegen, auch wenn ich heute akzeptieren muss, dass ich längst nicht mehr so weit gehen kann wie früher.
Viele Jahre lang kamen Gordon und ich immer wieder für Wochenenden nach Skegness. Als Besucher waren wir gerne hier, und als der Ruhestand näher rückte, erschien es uns sinnvoll, an die Küste zu ziehen. Immobilien waren erschwinglicher, wir kannten die Stadt bereits, und wir stellten uns ein ruhigeres gemeinsames Leben am Meer vor. So machten wir Skegness 2015 zu unserem Zuhause.
Wie so viele Paare, die sich dem Ruhestand nähern, hatten auch wir Pläne. Nach all den Jahren der Arbeit stellt man sich ganz selbstverständlich vor, dass endlich Zeit sein wird, das Leben in einem anderen Tempo zu genießen, vielleicht noch etwas mehr zu reisen und einfach zusammen zu sein, ohne dass die Arbeit alles bestimmt.
Dann kam etwas, das ich nur als einen Blitz aus heiterem Himmel beschreiben kann.
Gordon erlitt einen Schlaganfall. Er war gerade einmal fünfundsechzig Jahre alt.
Von einem Augenblick auf den anderen verschwand der Ruhestand, den wir uns vorgestellt hatten. Statt gemeinsam dieses neue Kapitel unseres Lebens zu beginnen, verbrachte Gordon mehrere Monate in einem Pflegeheim. Schließlich wurde ich zu seiner Vollzeitpflegerin und betreute ihn zu Hause.
Ich glaube, solange man nicht selbst einen Menschen gepflegt hat, den man liebt, kann man kaum vollständig verstehen, wie sehr sich dadurch das Leben beider Menschen verändert. Man ist noch immer Ehefrau, aber plötzlich ist man gleichzeitig auch Pflegerin. Der Alltag dreht sich um Medikamente, Krankenhaus- und Arzttermine, Mobilität und Sicherheit und darum, sicherzustellen, dass der Mensch an deiner Seite alles bekommt, was er braucht.
Natürlich tut man es, weil man diesen Menschen liebt. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht anstrengend, belastend und manchmal auch sehr einsam ist.
Gordon wurde zunehmend unsicher auf den Beinen und stürzte mehrmals. Schließlich mussten wir in einen Bungalow umziehen, weil dieser für ihn sicherer und praktischer war. Entscheidungen, bei denen es früher vielleicht darum gegangen wäre, wo wir gerne leben wollten, wurden nun danach getroffen, was Gordon körperlich brauchte.
Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal, ob der Umzug nach Skegness für uns wirklich die richtige Entscheidung gewesen war. Damals glaubten wir ganz ehrlich, dass er es war. Wir hatten unsere Wochenenden hier genossen und hielten die Stadt für einen vernünftigen Ort, um unseren Ruhestand zu verbringen. Doch nachdem Gordon krank geworden war, hatte ich manchmal das Gefühl, dass wir vielleicht mehr Unterstützung bekommen hätten, wenn wir woanders geblieben wären. Ob das tatsächlich so gewesen wäre, werde ich nie wissen. Aber wenn sich das eigene Leben so dramatisch verändert, fragt man sich unweigerlich, ob manche Entscheidungen anders hätten ausfallen sollen, wenn man gewusst hätte, was kommen würde.
Manchmal fragen mich die Leute, was ich von Skegness halte, und wenn ich ehrlich bin, liebe ich die Stadt nicht so sehr, wie ich einmal dachte, dass ich es tun würde. Sie hat ihren Zweck erfüllt, und dass das Leben hier erschwinglicher ist als an vielen anderen Orten, ist sicherlich ein großer Vorteil. Aber es gibt andere Orte, die meinem Herzen noch immer sehr nah sind.
Ich liebte Belsize Park in London und habe sehr schöne Erinnerungen an Kent und Edinburgh. Die Menschen stellen sich manchmal vor, dass es an der Küste wärmer sein müsste, aber ich habe Kent immer als wärmer in Erinnerung als Skegness. Auch den Forest of Dean liebe ich, und unter anderen Umständen hätte ich sehr gerne dort gelebt.
Aber vielleicht muss Zuhause nicht immer der Ort sein, den man am meisten liebt. Manchmal ist es einfach der Ort, an den das Leben einen geführt hat und an dem man lernt, das Beste aus dem zu machen, was man hat.
Es gibt Dinge, die ich in Skegness gerne verändert sehen würde. Besonders glaube ich, dass die Stadt mehr für junge Menschen tun könnte. Es kann ein schwieriger Ort sein, wenn man gerade erst seinen eigenen Weg im Leben beginnt, und ich würde mir wünschen, dass ihnen mehr Möglichkeiten offenstehen. Eine Stadt sollte nicht nur an die Menschen denken, die zum Urlaubmachen oder für ihren Ruhestand hierherkommen. Sie muss auch an die Generationen denken, die hier aufwachsen, und daran, was ihnen die Möglichkeit gibt, sich hier eine Zukunft aufzubauen.
Heute versuche ich, meinen Geist aktiv zu halten. Ich bin noch immer Mitglied der französischen und deutschen Sprachgruppen, wodurch ich weiterhin die Sprachen nutzen kann, die mein Leben so lange begleitet haben. Ich genieße die wärmeren Sommertage in Skegness, wenn ich mehr nach draußen komme, auch wenn ich längst nicht mehr so viel reise wie früher.
Mein Sohn verbringt inzwischen viel Zeit in Japan, also hat er vielleicht etwas von meiner Liebe dazu geerbt, andere Teile der Welt kennenzulernen. Mir gefällt der Gedanke, dass jene Neugier, die ich als junge Frau in Süd-London hatte, als ich mich für Sprachen und Orte außerhalb meiner eigenen Umgebung interessierte, vielleicht an die nächste Generation weitergegeben wurde.
Mein Leben ist heute ruhiger. Ich nehme jeden Tag, wie er kommt, und versuche, so gut es geht weiterzumachen. Ich habe noch immer meine Zigaretten und hin und wieder ein Gläschen Alkohol. So ist mein Leben heute eben. Wenn das Leben kleiner wird, als es einmal war, können die kleinen Dinge überraschend wichtig werden. Kleine Gewohnheiten, vertraute Gesichter und einfache Annehmlichkeiten helfen einem, durch den Alltag zu kommen.
Gordon ist vor ein paar Jahren gestorben, und ich vermisse ihn schrecklich. Nach allem, was wir gemeinsam durchgestanden haben, ist ohne ihn noch immer eine große Leere da. Wir hatten uns unseren Ruhestand auf eine bestimmte Weise vorgestellt und am Ende einen ganz anderen erlebt, aber durch all das hindurch waren wir immer noch Gordon und Pat. Seine Krankheit veränderte unser Leben, aber sie konnte all die Jahre davor und alles, was wir miteinander geteilt hatten, nicht auslöschen.
Ich versuche weiterzumachen, so wie er es sich für mich gewünscht hätte.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, denke ich nicht nur an Skegness oder an die schwierigen Jahre. Ich denke an den ganzen Weg. Ich denke an Süd-London, meine Studienzeit in Kent, an Paris und Edinburgh. Ich denke daran, Französisch zu sprechen, Literatur zu unterrichten, kilometerweit zu wandern und verschiedene Orte zu bereisen. Ich denke an Gordon vor seinem Schlaganfall und danach und an eine Ehe, die sich anpassen musste, als das Leben plötzlich etwas völlig anderes wurde, als wir beide geplant hatten.
Das Leben ist nicht immer nach Plan verlaufen, aber ich glaube nicht, dass es das für irgendeinen von uns tut. Wir stellen uns eine bestimmte Zukunft vor und finden uns manchmal in einer ganz anderen wieder.
Man nimmt das, was vor einem liegt.
Man macht das Beste daraus.
Und man macht weiter.
Das habe ich jedenfalls immer versucht.
🇬🇧 Pat Massie (b. 1951)
I was born in South London in 1951. Looking back, I think I’ve always been curious about the world and interested in places beyond wherever I happened to be living at the time. I loved languages at school, especially French, so it seemed the obvious thing to study when I went to university in Kent. I enjoyed my time there and came away with a degree that ended up taking me in directions I could never have imagined when I first began studying.
My first proper job was with Morgan Bank, working as a secretary. Then, in 1974, I was given the opportunity to move to Paris with the bank. I was still a young woman, and moving to another country was a big step, but it was one I never regretted.
I loved Paris. There was something exciting about living in another country and being able to use French every day rather than simply studying it from a book. It gave me confidence and independence, and I enjoyed the experience of being surrounded by a different language, culture and way of life. Those years gave me some wonderful memories, and even now Paris remains one of those places I look back on with enormous affection.
Later, I returned to Britain and settled in Edinburgh, where my life took a completely different direction. I began teaching English Literature, and I really enjoyed it. No two days were ever quite the same, and there was something rewarding about seeing young people discover books, writers and ideas they might never otherwise have encountered. Languages had opened the world for me, and perhaps literature offered young people another way of doing something similar.
Edinburgh was also where I met my husband, Gordon. We married in 1978, and together we built a good life. Gordon worked as a sales manager, and whenever we had the opportunity, we enjoyed travelling. That curiosity about other places never really left me.
Germany was one of the countries I visited over the years, and my interest in languages continued throughout my adult life. Even now, I still enjoy speaking French and German and belong to groups for both languages. I also belonged to a distance walking group and loved getting out and covering miles on foot, although these days I have to accept that I can no longer walk anything like the distances I once did.
For years, Gordon and I used to come to Skegness for weekends away. We enjoyed being here as visitors, and when retirement approached, moving to the coast seemed to make sense. Property was more affordable, we already knew the town, and we imagined a quieter life together by the sea. So in 2015, we made Skegness our home.
Like so many couples reaching retirement, we had plans. After years of working, you naturally imagine there will finally be time to enjoy life at a different pace, perhaps travel a little more and simply enjoy being together without work dictating everything.
Then came what I can only describe as a bolt from the blue.
Gordon had a stroke. He was just sixty-five.
In a moment, the retirement we had imagined disappeared. Instead of beginning this new chapter together, Gordon spent months in a nursing home. Eventually, I became his full-time carer and looked after him at home.
Until you have cared for somebody you love, I don't think you can completely understand how much it changes both of your lives. You are still a wife, but suddenly you are also a carer. Your days begin to revolve around medication, hospital appointments, mobility, safety and making sure the person beside you has everything they need.
Of course, you do it because you love them. But that doesn't mean it isn't exhausting, worrying and sometimes very lonely.
Gordon became increasingly unsteady and suffered several falls. Eventually, we had to move into a bungalow because it was safer and more practical for him. Decisions that once might have been about where we wanted to live became decisions about what Gordon physically needed.
Looking back now, I sometimes wonder whether moving to Skegness had been the right decision for us. At the time, we genuinely believed it was. We had enjoyed our weekends here and thought it would be a sensible place to spend our retirement. But after Gordon became ill, I sometimes felt that perhaps we might have had access to more support if we had remained elsewhere. I will never know whether that would actually have been the case, but when your life changes so dramatically, you inevitably find yourself wondering about the decisions you made before you knew what was coming.
People sometimes ask me what I think of Skegness, and if I'm honest, I don't love it as much as I once imagined I would. It has served its purpose, and being more affordable than many other places is certainly a big advantage, but there are other places that remain very close to my heart.
I loved Belsize Park in London, and I have very happy memories of Kent and Edinburgh. People sometimes imagine that living on the coast must mean warmer weather, but I always remember Kent feeling warmer than it does here. I also love the Forest of Dean and, given different circumstances, I would have loved to live there.
But perhaps home doesn't always have to be the place you love most. Sometimes it is simply the place where life has brought you and where you learn to make the best of what you have.
There are things I would like to see change in Skegness. In particular, I think the town could do more for younger people. It can be a difficult place when you are starting out in life, and I would like to see more opportunities available to them. A town shouldn't only think about the people who come here for holidays or retirement. It also needs to think about the generations growing up here and what will encourage them to build a future.
These days, I try to keep my mind active. I'm still part of the French and German groups, which gives me the chance to continue using languages that have been such an important part of my life. I enjoy the warmer summer days in Skegness when I can get out more, although I don't travel anything like as much as I once did.
My son spends a lot of his time in Japan now, so perhaps he has inherited something of my love of seeing different parts of the world. I like the thought that the curiosity I had as a young woman in South London, wondering about languages and places beyond my own surroundings, might have passed on to another generation.
Life for me now is quieter. I take things day by day and keep going as best I can. I still have my cigarettes and the odd tipple now and then. That's just where I'm at these days. When life becomes smaller than it once was, the little things can become surprisingly important. Small routines, familiar faces and simple comforts carry you through.
Gordon passed away a couple of years ago, and I miss him terribly. After everything we went through together, there is still a huge emptiness without him. We had imagined one kind of retirement and ended up living another, but through all of it we were still Gordon and Pat. Illness changed our lives, but it didn't erase all the years that came before it or everything we had shared.
I try to carry on as I know he would have wanted me to.
When I look back over my life, I don't think only about Skegness or the difficult years. I think about the whole journey. I think of South London, university in Kent, Paris and Edinburgh. I think about speaking French, teaching literature, walking for miles and travelling to different places. I think of Gordon before his stroke and after it, and of a marriage that had to adapt when life suddenly became something neither of us had planned.
Life hasn't always gone according to plan, but then I don't suppose it does for any of us. We imagine one future and sometimes find ourselves living another.
You deal with what is in front of you.
You make the best of it.
And you keep going.
That's what I've always tried to do.