🇩🇪 Tracy Turner (geb.1968)
Ich wurde 1968 in Nottingham geboren und im Alter von nur sechs Wochen adoptiert, nachdem meine leibliche Mutter in einem Heim für unverheiratete Mütter untergebracht worden war. Dieser Anfang war immer ein Teil meiner Geschichte. Ich glaube nicht, dass er mich definiert, aber vielleicht hat er mich auf eine Weise geprägt, die ich erst viel später in meinem Leben verstanden habe.
1977, als ich neun Jahre alt war, änderte sich wieder alles. Meine Adoptiveltern beschlossen, nach Skegness zu ziehen, nachdem sie dort viele Jahre lang Urlaub gemacht hatten. Sie wollten dem hektischen Alltag entkommen und für sich und für mich ein anderes Leben aufbauen.
Mein Vater hatte eine Leidenschaft für Flaggen, und irgendwie gelang es ihm, aus dieser Leidenschaft ein Geschäft zu machen. Er begann in den Tower Gardens in Skegness. In den ersten Jahren war alles noch sehr bescheiden, aber er liebte, was er tat, und steckte sein ganzes Herzblut hinein. Ich wuchs damit auf zu beobachten, wie etwas, das ganz einfach begonnen hatte, zu einem wichtigen Teil unseres Familienlebens wurde.
Für mich fühlte sich die Ankunft in Skegness an, als würde ich eine völlig andere Welt betreten. Das Meer schien sich endlos auszudehnen, die Luft fühlte sich anders an, und für mich als neunjähriges Mädchen war es aufregend, plötzlich in einem Badeort zu leben. Nachdem wir vorher hier Urlaub gemacht hatten, war Skegness nun mein Zuhause.
Mit sechzehn verließ ich die Schule und begann vor Ort zu arbeiten. Mit siebzehn zog ich von zu Hause aus. Ich war jung, sehr unabhängig und wollte das Leben kennenlernen, aber ich traf ganz sicher nicht immer die richtigen Entscheidungen.
Eine Zeit lang verlor ich meinen Weg.
Ich geriet in ungesunde Beziehungen, hatte zu viel unverbindlichen Sex und führte ein Leben mit nur wenigen Grenzen. Meine Wohnung wurde zu einem Treffpunkt, voller Lärm, ständig kamen und gingen Menschen, und immer war etwas los. Das zog zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich, und nicht jede davon war willkommen.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich eine junge Frau, die nach etwas suchte, ohne wirklich zu wissen, wonach. Vielleicht suchte ich Zugehörigkeit, Aufregung, Zuneigung oder einfach einen Ort, an dem ich meinen Platz finden konnte. Damals dachte ich über all das jedoch nicht nach. Ich war jung und lebte von einem Tag zum nächsten.
Ich habe Fehler gemacht. Das will ich nicht schönreden. Aber auch diese Fehler gehören zu meiner Geschichte, und ich glaube, man muss akzeptieren, woher man kommt, wenn man verstehen will, wie weit man gekommen ist.
Gegen Ende der 1980er-Jahre begann sich mein Leben zu verändern. Ich lernte meinen ersten Mann kennen und fing an, anders über meine Zukunft nachzudenken. Mit zweiundzwanzig wurde ich Mutter, und mit vierundzwanzig war ich verheiratet.
Die Mutterschaft gab mir auf eine Weise Halt, wie es vorher nichts anderes geschafft hatte. Plötzlich war da jemand, der auf mich angewiesen war. Bei meinen Entscheidungen ging es nicht mehr nur darum, was ich selbst wollte. Ich hatte Verantwortung, eine Aufgabe und einen Grund, einen Teil des Chaos meiner jüngeren Jahre hinter mir zu lassen.
Das bedeutete allerdings nicht, dass das Leben plötzlich einfach wurde.
1999 kämpfte ich auf eine völlig andere Weise mit mir selbst. Mein Gewicht war zu einem großen Problem geworden, aber dahinter lagen auch Schwierigkeiten mit meinem Selbstvertrauen und damit, wie ich mich selbst sah. Es beeinflusste viele Bereiche meines Lebens, auch meine Möglichkeit, ein weiteres Kind zu bekommen, und das war unglaublich schwer für mich.
Ich wusste, dass sich etwas ändern musste.
Ich nahm an der landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung Fat Club teil. Sich im Fernsehen zu zeigen, wenn man ohnehin mit seinem Gewicht und seinem Selbstvertrauen kämpft, mag wie eine merkwürdige Entscheidung klingen, aber für mich wurde es zu einem Wendepunkt. Innerhalb von acht Wochen nahm ich drei Stone, also rund neunzehn Kilogramm, ab.
Natürlich war die Gewichtsabnahme wichtig, aber das, was sich in mir veränderte, bedeutete noch mehr. Ich hatte mir selbst bewiesen, dass ich die Kontrolle über etwas übernehmen konnte, bei dem ich mich zuvor machtlos gefühlt hatte. Langsam kehrte ein Teil meines Selbstvertrauens zurück.
Das Leben ging weiter. Es folgte eine zweite Ehe, und ein weiteres Kind kam in mein Leben. Mein Mann Scott war ganz anders als die Männer und Beziehungen, die ich in jüngeren Jahren gekannt hatte. Er war beständig, unterstützend und gab mir Halt. Nach Jahren, in denen mein Leben manchmal chaotisch gewesen war, bedeutete mir diese Stabilität sehr viel.
Durch all diese verschiedenen Kapitel meines Lebens zog sich eine Sache, die fast von Anfang an da gewesen war: Flaggen.
Das Geschäft, das mein Vater gegründet hatte, als wir nach Skegness kamen, blieb ein Teil meines Lebens. Ich arbeitete weiterhin in der Flaggenherstellung, entwickelte meine Fähigkeiten weiter und wurde Teil von etwas, das mich direkt mit ihm und mit jenen frühen Jahren in den Tower Gardens verband.
Bis heute arbeite ich in diesem Bereich und fertige hochwertige Flaggen für namhafte Auftraggeber, darunter auch das Militär. Manchmal denke ich darüber nach, wie etwas, das vor all diesen Jahren mit der einfachen Leidenschaft meines Vaters begann, mich fast mein ganzes Leben lang begleitet hat.
Für mich ist es nicht einfach nur ein Beruf. Es ist ein Teil meiner Familiengeschichte.
Vielleicht war es auch diese Verbindung zum Militär, durch die sich mein Engagement bei der Royal British Legion besonders natürlich anfühlte. Über die Legion war ich an der Gestaltung einer der größten Mohnblumen-Installationen beteiligt, die Skegness je gesehen hatte.
Was als Idee begann, entwickelte sich zu etwas viel Größerem.
Die Installation erregte landesweit Aufmerksamkeit und wurde bei Guinness World Records eingereicht, was außergewöhnlich war. Doch der Rekord war für mich nie das Wichtigste.
Die Mohnblumen standen für Menschen.
Sie standen für verlorene Leben, für Familien, die vom Krieg betroffen waren, und für Generationen von Menschen, die ihrem Land gedient hatten. Es ging um Erinnerung und Respekt. Aber das Projekt zeigte mir auch, was möglich ist, wenn eine Gemeinschaft für etwas zusammenkommt, an das sie glaubt.
Zu erleben, wie Menschen in Skegness ihren Beitrag leisteten, mithalfen und stolz auf das waren, was wir gemeinsam schufen, bedeutete mir mehr als jeder Rekord.
Dann geschah etwas, das ich mir als rebellische Siebzehnjährige mit einer lauten Wohnung und kaum einer Ahnung davon, wohin mein Leben führen würde, niemals hätte vorstellen können.
Ich wurde in den Buckingham Palace eingeladen.
Dort zu stehen und Skegness zu vertreten, fühlte sich beinahe unwirklich an. Ich traf König Charles, der herzlich und freundlich war und sich aufrichtig dafür interessierte, was wir in Skegness erreicht hatten. Ich erinnere mich daran, wie ich über den Weg nachdachte, der mich zu diesem Augenblick geführt hatte, und wie unvorstellbar all das für mein jüngeres Ich gewesen wäre.
Ich hatte außerdem die große Ehre, eine nationale Auszeichnung zu erhalten. Eine solche Anerkennung ist natürlich etwas Schönes, und selbstverständlich bin ich stolz darauf. Aber ich glaube nicht, dass eine Auszeichnung oder ein Besuch im Buckingham Palace letztlich darüber entscheidet, ob man ein erfülltes oder wertvolles Leben geführt hat.
Für mich geht es um das, was auf dem Weg dorthin geschehen ist.
Ich wurde im Alter von sechs Wochen adoptiert. Als Kind zog ich nach Skegness. Ich verließ früh mein Elternhaus und traf Entscheidungen, die ich heute vielleicht anders treffen würde. Ich wurde Mutter. Ich kämpfte mit meinem Gewicht und meinem Selbstvertrauen. Ich heiratete, zog eine Familie groß, arbeitete hart und blieb Teil des Unternehmens, das mein Vater all diese Jahre zuvor gegründet hatte.
Und irgendwo auf diesem Weg fand ich eine Möglichkeit, meine Energie in etwas zu stecken, das über mich selbst hinausging und anderen etwas bedeutete.
Wenn ich heute auf die junge Frau zurückblicke, die ich einmal war, schäme ich mich nicht für sie. Sie versuchte, ihren Weg zu finden. Sie machte Fehler, ganz sicher, aber sie ging weiter und lernte schließlich daraus.
Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, aber ich glaube, noch stolzer bin ich darauf, wie sehr ich mich verändert habe.
Und durch all das hindurch ist da Dad.
Ich kann noch immer so vieles in meinem Leben auf die Entscheidung zurückführen, die er und Mum 1977 trafen, Nottingham zu verlassen und nach Skegness zu ziehen. Mein Berufsleben lässt sich bis zu seiner Leidenschaft für Flaggen und den bescheidenen Anfängen in den Tower Gardens zurückverfolgen. Sogar meine Arbeit rund um Erinnerung und Militär fühlt sich auf irgendeine Weise mit dem verbunden an, was er damals begonnen hat.
Ich wünschte, er könnte sehen, wohin all das geführt hat.
Von einem kleinen Flaggengeschäft in einer Küstenstadt zu etwas, das mich weiter gebracht hat, als ich mir jemals hätte vorstellen können.
Ich weiß, dass es in meinen jüngeren Jahren Zeiten gab, in denen er sich wahrscheinlich Sorgen um mich gemacht hat. Und es gab ganz sicher Zeiten, in denen ich ihm allen Grund dazu gegeben habe.
Aber wenn Dad heute neben mir stehen und die Frau sehen könnte, die aus mir geworden ist, die Familie, die ich aufgebaut habe, und all das, was ich erreichen durfte, dann glaube ich zu wissen, was er sagen würde.
Er wäre stolz auf mich.
Und endlich bin ich auch stolz auf mich selbst.
🇬🇧 Tracy Turner (b.1968)
I was born in Nottingham in 1968 and adopted when I was just six weeks old, after my birth mother was placed in a home for unmarried mothers. It is a beginning that has always been part of my story. I don't think it defines me, but perhaps it shaped me in ways I didn't understand until much later in life.
In 1977, when I was nine years old, everything changed again. My adopted parents decided to move to Skegness after years of coming here for holidays. They wanted to leave the rat race behind and build a different kind of life for themselves and for me.
My dad had a passion for flags, and somehow he managed to turn that passion into a business. He started out in Tower Gardens in Skegness. It was modest in those early days, but he loved what he was doing and put everything into it. I grew up watching something that began quite simply become an important part of our family's life.
For me, arriving in Skegness felt like stepping into a completely different world. The sea seemed to stretch forever, the air felt different and, as a nine-year-old girl, there was something exciting about suddenly living in a seaside town. After coming here on holidays, Skegness was now home.
At sixteen, I left school and started working locally. By seventeen, I had left home. I was young, fiercely independent and eager to experience life, but I certainly didn't always make the right choices.
For a while, I lost my way.
I became caught up in unhealthy relationships, too much casual sex and a lifestyle with very few boundaries. My flat became somewhere people gathered, full of noise, people coming and going and constant activity. Inevitably, it attracted attention, and not all of that attention was welcome.
Looking back now, I can see a young woman who was searching for something without really knowing what it was. Perhaps I was looking for belonging, excitement, affection or simply somewhere I fitted. At the time, though, I wasn't analysing any of it. I was young and living from one day to the next.
I made mistakes. I don't pretend otherwise. But those mistakes are part of my story too, and I think you have to own where you've been if you're going to appreciate how far you've come.
Towards the end of the 1980s, things began to change. I met my first husband and started thinking about life differently. At twenty-two, I became a mother, and by twenty-four I was married.
Motherhood grounded me in a way nothing else had managed to do. Suddenly, somebody else depended on me. My choices weren't only about what I wanted anymore. I had responsibility, purpose and a reason to start leaving some of the chaos of my younger years behind.
That didn't mean life suddenly became easy.
By 1999, I was struggling in a completely different way. My weight had become a major issue, but underneath that were problems with my confidence and the way I felt about myself. It affected many areas of my life, including my ability to have another child, and that was incredibly difficult.
I knew something had to change.
I took part in the national television programme Fat Club. Putting yourself on television when you're already struggling with your weight and confidence might sound like a strange decision, but for me it became a turning point. Over eight weeks, I lost three stone.
The weight loss mattered, of course, but what happened inside me mattered more. I had proved to myself that I could take control of something I had felt powerless over. Slowly, some of my confidence began to return.
Life moved forward again. A second marriage followed and another child came into my life. My husband, Scott, was very different from the relationships I had known when I was younger. He was steady, supportive and grounding. After years when life had sometimes felt chaotic, that stability meant a great deal.
Throughout all these different chapters, there was one thing that had been there almost from the beginning: flags.
The business my dad had started when we came to Skegness remained part of my life. I continued working in flag manufacturing, developing skills and becoming part of something that connected me directly with him and with those early years in Tower Gardens.
Today, I still work in that world, producing high-quality flags for prestigious clients, including the military. Sometimes I think about how something that began with my dad's simple passion all those years ago has followed me through almost my entire life.
It isn't just a job to me. It is part of my family history.
Perhaps that connection with the military also made my involvement with the Royal British Legion feel particularly natural. Through the Legion, I became involved in creating one of the largest poppy displays Skegness had ever seen.
What started as an idea grew into something much bigger.
The display attracted national attention and was submitted to Guinness World Records, which was extraordinary. But the record was never the most important part for me.
The poppies represented people.
They represented lives lost, families affected by war and generations who had served their country. They were about remembrance and respect. But the project also showed me what can happen when a community comes together around something it believes in.
Watching people in Skegness contribute, help and take pride in what we were creating meant more to me than any record could.
Then came something I could never have imagined when I was that rebellious seventeen-year-old girl with a noisy flat and very little idea where life was taking me.
I was invited to Buckingham Palace.
Standing there representing Skegness was quite surreal. I met King Charles, who was warm, gracious and genuinely interested in what we had achieved. I remember thinking about the journey that had brought me to that moment and how impossible it would have seemed to the younger version of me.
I have also been incredibly humbled to receive a national award. Recognition like that is lovely, and of course I am proud of it, but I don't think an award or a visit to Buckingham Palace is what ultimately tells you whether you've lived a worthwhile life.
For me, it is about what happened along the way.
I was adopted at six weeks old. I moved to Skegness as a child. I left home young and made choices I wouldn't necessarily make today. I became a mother. I struggled with my weight and my confidence. I married, raised a family, worked hard and remained part of the business my dad began all those years ago.
And somewhere along that journey, I found a way of putting my energy into something that mattered beyond myself.
When I look back at the young woman I once was, I don't feel ashamed of her. She was finding her way. She made mistakes, certainly, but she kept going and eventually learned from them.
I am proud of what I've achieved, but I think I'm even prouder of how much I've changed.
And through everything, there is Dad.
I can still trace so much of my life back to that decision he and Mum made in 1977 to leave Nottingham and come to Skegness. I can trace my working life back to his passion for flags and that little beginning in Tower Gardens. Even my work with remembrance and the military feels connected in some way to what he started.
I wish he could see where it all led.
From a little flag business in a seaside town to something that has taken me further than I could ever have imagined.
I know there were times in my younger years when he probably worried about me. There were certainly times when I gave him good reason to.
But if Dad were standing beside me today and could see the woman I've become, the family I've built and the things I've been fortunate enough to achieve, I think I know what he'd say.
He'd be proud of me.
And finally, I'm proud of me too.